Das Ende der Abwägung: Großbritannien schreibt E-Rechnungen bis 2029 vor

Zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2026, um die offizielle Bestätigung der britischen Regierung bezüglich des Peppol-Netzwerks als zentrales Interoperabilitäts-Framework für das Mandat ab 2029 widerzuspiegeln.
Zusammenfassung
Die Nachricht: Die britische Regierung hat die obligatorische elektronische Rechnungsstellung für alle B2B- und B2G-Mehrwertsteuerrechnungen ab 2029 bestätigt.
Das Modell: Die britische Regierung hat das Peppol-Netzwerk als zentrales Interoperabilitäts-Framework für das Mandat ab 2029 bestätigt und setzt dabei auf eine dezentrale Vier-Ecken-Architektur (Four-Corner-Modell).
Compliance: Die Berichterstattung in Echtzeit (RTR) wird 2029 nicht eingeführt, um einen reibungsloseren Übergang zu Beginn zu gewährleisten.
Nächste Schritte: Die Zusammenarbeit mit den Stakeholdern begann im Januar 2026. Ein vollständiger technischer Fahrplan wird im Rahmen des Haushaltsplans 2026 (Budget 2026) veröffentlicht.
Das Vereinigte Königreich hat offiziell jahrelange Beratungen zur elektronischen Rechnungsstellung offiziell beendet. Nach der Konsultation hat die Regierung einen endgültigen Kurs eingeschlagen und bestätigt, dass die E-Rechnungsstellung ab 2029 für alle Mehrwertsteuerrechnungen verpflichtend sein wird.
Diese weitreichende Entscheidung, die in den am 26. November 2025 aktualisierten Konsultationsergebnissen bekannt gegeben wurde, signalisiert ein klares Bekenntnis zur digitalen Transformation. Ziel ist es, die Produktivität zu steigern, Zahlungsverzug zu bekämpfen und die steuerliche Compliance in der gesamten britischen Unternehmenslandschaft zu modernisieren.
Der Weg zur verpflichtenden Einführung
Warum die britische Regierung die Steuereinhaltung modernisiert
Die E-Invoicing-Technologie ist im Vereinigten Königreich nicht neu. Sie wird vom NHS (National Health Service) und von großen Unternehmen bereits seit Jahren genutzt. Der Markt litt jedoch unter einer geringen Akzeptanz und Fragmentierung. Vor allem das Fehlen eines einzigen gemeinsamen Standards bedeutete, dass die Vorteile der Automatisierung oft begrenzt blieben, was Unternehmen dazu zwang, „Parallel-Systeme“ zu betreiben. Für einen tieferen Einblick in die Marktkomplexität vor dieser Ankündigung lesen Sie unser früheres Interview.
Ein wesentlicher Faktor für diese Fragmentierung ist das weit verbreitete mangelnde Bewusstsein: Viele Großkonzerne nutzen zwar Software zur Erstellung einer strukturierten Rechnung, stufen ihren Prozess jedoch nicht als elektronische Rechnungsstellung ein, da sie das Dokument immer noch als PDF herunterladen und per E-Mail versenden. Dieses Festhalten am vertrauten PDF verhindert einen durchgängig elektronischen End-to-End-Ansatz und bedeutet, dass das resultierende Dokument – obwohl technisch digital – keine der Vorteile strukturierter Daten bietet. Im Gegensatz dazu reduziert die Nutzung strukturierter E-Rechnungsformate den digitalen Abfall erheblich, da diese Dateien viel kleiner sind, weniger Rechenleistung benötigen und somit den CO2-Fußabdruck digitaler Transaktionen minimieren.
Bestehende digitale Grundlagen (Making Tax Digital & NHS)
Während eine landesweite B2B-E-Rechnungspflicht neu ist, verfügt das Vereinigte Königreich über zwei bestehende digitale Grundlagen:
NHS E-Rechnungsstellung: Alle Unternehmen, die dem NHS Rechnungen stellen, müssen mit einem Peppol Access Point verbunden sein und ihre Rechnungen über das Peppol-Netzwerk versenden. Dieser etablierte Business-to-Government-Prozess (B2G) bietet ein praxisnahes, groß angelegtes Beispiel für ein erfolgreiches dezentralisiertes Modell im Vereinigten Königreich.
Making Tax Digital (MTD): MTD wurde 2019 eingeführt und ist der schrittweise Ansatz der Regierung, Steuerprozesse auf eine digitale Berichterstattung umzustellen. Obwohl MTD keine E-Rechnungsstellung ist, ähnelt das Grundprinzip: Die Verlagerung von Compliance und Berichterstattung in einen digitalen Prozess, um der Regierung mehr Transparenz zu bieten. Die erfolgreiche, wenn auch schrittweise Einführung von MTD hat den Weg für die Unternehmens- und Softwarelandschaft geebnet, sich an ein neues digitales Mandat anzupassen.
Im Februar 2025 leitete die Regierung die Konsultation „Elektronische Rechnungsstellung: Förderung der E-Rechnungsstellung in Unternehmen und im öffentlichen Sektor des Vereinigten Königreichs"ein, um diese Probleme anzugehen und Meinungen darüber einzuholen, wie die für „Netzwerkeffekte“ erforderliche kritische Masse erreicht werden kann. Die Rückmeldungen bestätigten, dass das Vereinigte Königreich ohne ein Mandat Gefahr lief, hinter internationale Wettbewerber zurückzufallen, die bereits erhebliche Vorteile erzielen – von einer 20% Reduzierung von Zahlungsverzug bis hin zu Effizienzgewinnen. Internationale Studien zeigen sogar, dass Unternehmen, die auf E-Rechnungsstellung umstellen, ihre Verarbeitungskosten um bis zu 60% senken können. Dies führt zu Effizienzsteigerungen, die kleineren Unternehmen nach zwei Jahren eine 2,2-fache Rendite auf ihre Investition (Return on Investment) einbringen.
Strategische politische Entscheidungen: Dezentralisiertes Modell und Live-Gang 2029
Die am 26. November 2025 veröffentlichte Regierungsantwort bestätigte die politischen Maßnahmen:
Mandat: Verpflichtend für alle Mehrwertsteuerrechnungen, primär für Transaktionen zwischen Unternehmen (B2B) sowie zwischen Unternehmen und Behörden (B2G), bei denen die Mehrwertsteuer fällig wird (nicht jedoch für Transaktionen mit Endverbrauchern bzw. B2C).
Go-Live-Datum: 2029 – ein Fahrplan zur Umsetzung dieses Mandats wird im Haushaltsplan 26 veröffentlicht.
Modell: Die Regierung hat eine zentralisierte Plattform (wie das italienische SDI) ausgeschlossen. Die Entwicklungsarbeit wird sich nun auf ein dezentrales Modell konzentrieren (wie das dezentrale 4-Corner-Peppol-Modell), das von der überwältigenden Mehrheit der Befragten bevorzugt wurde. Dieser Fokus passt zu den britischen Geschäftspraktiken und fördert einen wettbewerbsfähigen Softwaremarkt. Seit Juni 2026 hat die Regierung das Peppol-Netzwerk auch offiziell als zentrales Interoperabilitäts-Framework für das Mandat ab 2029 bestätigt und setzt dabei auf eine dezentrale Vier-Ecken-Architektur.
E-Reporting (CTC): Die Regierung hat beschlossen, parallel zum Mandat im Jahr 2029 kein Real-Time Reporting (RTR) einzuführen. Diese strikte Trennung stellt sicher, dass sich die Frist für 2029 ausschließlich auf den Aufbau der Infrastruktur für die verpflichtende E-Rechnungsstellung konzentriert. Etwaige RTR-Anforderungen werden zu einem späteren Zeitpunkt geprüft und implementiert, basierend auf der dann etablierten E-Invoicing-Infrastruktur.
Die internationale Dimension: Peppol, PINT und ViDA
Die Notwendigkeit einer internationalen Abstimmung zur Unterstützung des grenzüberschreitenden Handels war ein zentrales Anliegen der Befragten und hat den endgültigen Ansatz des Vereinigten Königreichs stark beeinflusst.
Das Modell des Vereinigten Königreichs: Dezentralisiert von Anfang an?
Die Regierung hat ihren politischen Eingriff bestätigt und das Peppol-Netzwerk als zentralen Interoperabilitätsstandard festgelegt. Dies sorgt für die lang ersehnte Klarheit, die Unternehmen für ihre strategische Planung benötigen. Die große Mehrheit der Unternehmen und Experten sprach sich für ein dezentrales 4-Corner-Modell (wie Peppol) aus und begründete dies mit dessen Flexibilität und der optimalen Vereinbarkeit mit dem bestehenden MTD-System des Vereinigten Königreichs.
Nachdem das grundlegende Interoperabilitäts-Framework nun feststeht, hat sich der Schwerpunkt der Kooperationsphase auf die Finalisierung der technischen Spezifikationen und die Gewährleistung einer nahtlosen Interoperabilität verlagert. Das Bestreben des Vereinigten Königreichs, sich an globalen Frameworks wie Peppol und dem Standard EN 16931 zu orientieren, baut auf dem erfolgreichen, durch den NHS geschaffenen Fundament auf. Dies stellt sicher, dass das britische System voll kompatibel mit dem breiteren EU-Ökosystem und internationalen Handelspartnern bleibt.
Die ViDA-Frage: Post-Brexit und darüber hinaus
Der EU-Vorschlag VAT in the Digital Age (ViDA) („Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter“) schreibt bis 2030 kontinuierliche Transaktionskontrollen (Continuous Transaction Controls – CTC) mittels E-Rechnungsstellung in der gesamten Union vor, wodurch ältere Meldemethoden abgeschafft werden.
Obwohl das Vereinigte Königreich nach dem Austritt aus der Europäischen Union rechtlich nicht an den ViDA-Vorschlag der EU gebunden ist, zeigt die Entscheidung für eine verpflichtende E-Rechnungsstellung und der Fokus auf das Peppol-Framework – dasselbe Framework, das von vielen ViDA-Mitgliedstaaten genutzt wird – den pragmatischen Wunsch, die Kompatibilität im digitalen Handel mit dem größten Handelspartner aufrechtzuerhalten. Diese Gemeinsamkeit minimiert regulatorische Abweichungen für Unternehmen, die sowohl im Vereinigten Königreich als auch in der EU tätig sind.
Was passiert als Nächstes?
Die Regierung hat einen klarer Fahrplan für die Designphase vorgelegt und setzt dabei auf Zusammenarbeit statt auf Aufzwingen:
Zusammenarbeit mit Stakeholdern: Im Januar 2026 startet eine Phase intensiver Einbindung von Stakeholdern. An dieser Zusammenarbeit werden Softwareanbieter, Steuerberater und Unternehmen aller Größenordnungen beteiligt sein, um das endgültige System gemeinsam zu gestalten.
Fahrplan für die Umsetzung: Der detaillierte Fahrplan für die Umsetzung (Implementation Roadmap) wird im Rahmen des Haushaltsplans 2026 (Budget 2026) veröffentlicht. Dieses Dokument wird Klarheit über die endgültigen Standards, technischen Spezifikationen und erforderlichen Leitfäden schaffen.
Unterstützungsschwerpunkt: HMRC (Her Majesty's Revenue and Customs) und DBT (Department for Business and Trade) setzen sich dafür ein, dass das System einen wettbewerbsfähigen Markt unterstützt, der kostengünstige und einfach zu bedienende E-Invoicing-Produkte für KMU bereitstellt. Damit wird direkt auf Bedenken hinsichtlich der anfänglichen Kosten und Komplexität eingegangen.
Mit der Bestätigung der Peppol-Auswahl im Juni 2026 wird sich die Kooperationsphase nun auf entscheidende Details der Umsetzung konzentrieren. Dazu gehören nationale Datenstandards, Akkreditierungsprozesse für Anbieter sowie die zukünftige Integration bestehender EDI-Altsysteme.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Der Übergang ist keine Frage des Ob mehr, sondern des Wie. Unternehmen haben nun ein mehrjähriges Zeitfenster, um die notwendigen System-Upgrades zu planen und sicherzustellen, dass sie die Vorteile in Bezug auf Effizienz, Cashflow und Compliance nutzen können, die die obligatorische E-Rechnungsstellung mit sich bringen wird.
Da sich das Vereinigte Königreich auf seine digitale Zukunft ab 2029 festlegt, erfordert die Bewältigung dieses Wandels das Bewusstsein für nationale Standards sowie globale Kompatibilität. Um über die technische Abstimmung zwischen dem neuen System des Vereinigten Königreichs und globalen Frameworks (einschließlich des EU-Modells ViDA) auf dem Laufenden zu bleiben und sicherzustellen, dass Ihre grenzüberschreitenden Aktivitäten compliant bleiben, folgen Sie uns auf LinkedIn für Expertenanalysen und melden Sie sich für unseren E-Mail-Newsletter zur Steuer-Compliance an, um kuratierte Nachrichten direkt in Ihren Posteingang zu erhalten.

Danielle Kiener
Leitender Key Account Manager, Banqup Group
Danielle hat 15 Jahre Erfahrung im Kundenbeziehungsmanagement im Bereich Rechnungsstellung und Finanzverwaltung. Derzeit arbeitet sie in Genf und unterstützt globale Kunden bei der Banqup Group, indem sie multinationalen Unternehmen hilft, ihre Prozesse zu digitalisieren. Im Laufe der Jahre war sie eng in die digitale Transformation der Rechnungsstellung involviert, einschließlich der Leitung von E-Invoicing-Initiativen in den Regionen EMEA und Asien-Pazifik für ein großes multinationales Unternehmen. Dank ihrer umfangreichen Erfahrung ist sie stets auf dem neuesten Stand der aktuellen E-Invoicing-Vorschriften und Änderungen weltweit.





